Esszwang


Liebe Blog-Teilnehmer,

nun sind wir „umgezogen“. Auf Anraten und mit Hilfe von Nadja Steger habe ich uns auf wordpress platziert. Das Blog http://anton-hergenhan.blog.de bleibt vorerst erhalten und wird alle Leser mit einem Link auf dieses neue Forum verweisen.

Im April 2010 veröffentlichte ich einen langen Beitrag zum Thema „Esszwang“. Es geht darin um die Frage, wie wir im (heil)pädagogischen Betreuungsalltag mit Kindern zusammen das oft leidige Thema „Essen“ bewältigen. Sollen Kinder aufessen? Soll man sie wenigstens von allen guten Speisen probieren lassen, bevor man ihr entschlossenes Nein akzeptiert?

Kinder essen 2

Dieser mein Beitrag wurde mit mir häufig diskutiert, er wurde kritisiert und begrüßt. Vor allem Psychologen hatten ihre Freude daran. In einer kinderpsychiatrischen Einrichtung kopierte sogar eine Kollegin meinen Eintrag und wies ihn als ihr fachliches Produkt aus. „Plagiat“ nennt man solches Vorgehen. Ich tolerierte es gern. Denn wenn auch nur ein Kind davon profitiert und keinem wie auch immer begründeten Esszwang ausgesetzt ist, soll mir auch diese Weitergabe recht sein.

In einer Fortbildungsveranstaltung in München betonte der Leiter einer Kindertagesstätte, er habe stets entschlossen darauf bestanden, dass „seine“ Kinder aufessen. Er werde das auch künftig tun. Auf meine Frage, wie die ihm anvertrauen Schützlinge darauf reagierten, meinte er, es gebe schon öfter Protest. Ein Junge „mit türkischem Migrationshintergrund“ rede mit ihm überhaupt nicht mehr, er sei „richtig verstockt“.

Kinder essen 3

Dieses Kind, so meine Position, teilt uns klar mit, was dieser Esszwang anrichten kann: eine Kommunikationsstörung, die nicht sein muss und die die pädagogische Arbeit völlig unnötig belastet. Ganz zu schweigen von dem Schaden, der in der Seele des Kindes entstehen kann, wenn es solcherart Respektlosigkeit ertragen muss.

„Aber“, so der Einwand, „wir müssen doch auch Führung übernehmen“. Eine Sozialpädagogin entgegnete mir, ich verträte doch in meinen Büchern immer wieder den Standpunkt, dass wir Kinder „führen“ müssen. Ich wiese das als eigenes Basalkriterium aus (2). Hin und wieder sei es eben doch unerlässlich, Entscheidungen für Kinder zu fällen – oft auch gegen ihren aktuellen Willen. Das ist richtig. Unbedingt! Im Hinblick auf unser Ess-Thema müssen wir jedoch unseren Führungsanspruch differenzieren.

Kinder essen

Mehrfach hörte ich die Bitte, ich möge meine Einträge kürzen. „Der Esszwang-Eintrag ist einfach zu lang“, so eine Blog-Leserin. Diesem Wunsch werde ich kommendes Wochenende entsprechen und ihn knapp zusammenfassen.

Überhaupt will ich darauf achten, dass die Länge meiner Stellungnahmen die Lesebereitschaft dieser Blog-Kommunität nicht gefährdet. Immerhin sind es mittlerweile fast 20.000, die sich in diesem Blog für die brisante Frage interessieren: Wie gestalten wir unsere Kommunikation auch und vor allem mit verhaltensauffälligen Kindern friedlich und lösungsorientiert?

Diese Frage erörtere ich in zwei Büchern. Eine dritte Veröffentlichung ist nächstes Jahr zu erwarten. Der Austausch über die Inhalte meiner Publikationen macht mir Freude und bringt mich der Leserschaft auch persönlich näher, wie ich in etlichen Zuschriften erlebe.

Advertisements