Die halten zusammen!


Liebe Blog-Leserinnen,

liebe Blog-Leser,

genau vor einem Jahr habe ich in diesem Blog auf die Frage einer Grundschullehrerin, ob man denn auch „systemisch Weihnachten“ feiern könne, mit Verweis auf den wunderbaren Kommentar eines Jungen geantwortet. Dieser meinte, als er die Krippe aufstellen durfte und den Joseph ganz nah „zu dem Baby Jesus“ rückte: „Der Jesus braucht seinen Papa ganz dringend, wenn der Papa bei ihm ist, hat er keine Angst. Und ich werd auch mal ein Papa, wo kein Kind mehr Angst haben muss!“

krippe

Eine andere weihnachtliche „Kind-Exegese“ möchte ich heuer anfügen. Sandra, ein neunjähriges Mädchen, hatte die heilige Familie im Stall schon ganz eng aneinander postiert, und beim Anblick der drei erkundigte ich mich, was sie denn über Maria, Joseph und Jesus denke: „Wie geht es der kleinen Familie in diesem Stall?“

Auf diese Empathie-Frage wusste Sandra sofort: „Die halten zusammen. Maria war schwanger. Die Eltern wussten nicht wohin. Und deswegen hatte sicher auch der Joseph große Angst. Aber der Joseph war super. Der hat seine Frau nicht allein gelassen, der hat ihr geholfen. Die drei freuen sich jetzt und die halten bestimmt immer fest zusammen“.

Als systemisch animierte Pädagogen bzw. Psychologen fragen wir unsere Kinder. Denn wir halten sie für Gesprächspartner, die uns Wichtiges mitzuteilen haben. Wie Sandra.

Ich wünsche uns allen genau das: Zusammenhalt mit lieben Mitmenschen, auf deren Nähe wir angewiesen sind und bleiben wollen.

Herzlich

Anton Hergenhan

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Blöde Fragen


Ein Sozialpädagoge aus Pirmasens, aus seiner Zuschrift direkt hierher kopiert (Bezugnahme auf den letzten Beitrag vom 22. November)

“ …weil sich das alles sehr schon anhört, was Sie da schreiben. Und wenn die Mutter aber sagt, dass sie keine blöden Fragen will? Ich habe das in meiner Beratungsarbeit einige Male erlebt. Da haben Sie dann den Salat … “

 

Lieber Kollege,

sicher, dieser Salat muss aber nicht ungenießbar sein. Und zwar dann nicht, wenn Sie sich von der Auffassung verabschieden, dass systemische Coaching-Methoden zu jedem Zeitpunkt auf alle Fälle „funktionieren“ müssen.

Dass es systemisch auch „daneben“ gehen kann, beschreibe ich im gelben Coaching-Buch sehr konkret. Der Vater, mit dem ich darin systemisch kommuniziere, schleudert mir sogar an den Kopf: „Sagen Sie mal, wollen Sie mich verarschen? Ist das irgendein seichter Psychotrick, mit dem Sie mich aufs Glatteisführen wollen? … Und jetzt kommen Sie mit Ihrer Psychokacke!“

 

Wenn Lukas haut, 2015, 2. Auflage, S. 101

blöde Fragen Unbenannt

Wenn eine systemische Methode offenbar ihr Ziel verfehlt, muss sich darin kein Scheitern melden. Ganz im Gegenteil. Im Fall vom letzten Blog-Eintrag wäre der Protest der Mutter gegen „blöde Fragen“ aufs Beste zu akzeptieren und dann die, wenn sie will, „allerletzte“ Frage zu stellen:

„Sie sichern, so mein Eindruck, Ihr schlechtes Gewissen gegen blöde Fragen ab. Welchen Vorteil könnte Ihr schlechtes Gewissen denn für Sie haben?“

Möglicherweise, und nur möglicherweise würde diese „allerletzte“ Frage Klärung über das Beratungsziel schaffen.

Systemisch arbeiten wir mit Möglichkeiten, nicht mit 100%-Sicherheiten, nicht mit Wahrheiten, nicht mit Garantien.

Mit anderen Worten, es gibt sauer angemachten Salat, süßen und gewiss auch süß-saueren!